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Der Deka-Experten-Tipp 

Der Deka-Experten-Tipp 

Die wöchentliche Kolumne von Dr. Ulrich Kater,
Chefvolkswirt der DekaBank 

Angeschlagene Automobilbranche

Frankfurt, 06. Dezember 2019

Nach wie vor beherrscht das Ping-Pong um eine erste Einigung im US-chinesischen Handelsstreit die täglichen
Ausschläge an Aktien- wie Anleihemärkten. Insgesamt trat der Dax mehr oder weniger im Wochenverlauf auf der
Stelle. Die Nachrichten aus der Industrie hellen sich weiter auf, mit einer Ausnahme: In Deutschland zeigt sich
immer deutlicher, dass die Probleme des Automobilsektors tiefer gehen als bislang wahrgenommen. Absätze
und Produktion in der deutschen Vorzeigebranche gehen deutlich zurück. Das verheißt nichts Gutes für die
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im laufenden vierten Quartal. Die Richtung an den Aktienmärkten wird
in den kommenden Monaten davon abhängen, ob die Weltwirtschaft den bisherigen moderaten Wachstumskurs
weiter fortsetzen kann.  

Erste EZB-Sitzung unter Präsidentin Lagarde

Es ist mal wieder eine Woche der Zentralbanken. Die amerikanische Zentralbank wird bei ihrem letzten Zinsentscheid
in diesem Jahr – nach drei Senkungen in Folge – keine Änderung an ihrem Leitzinsintervall mehr vornehmen. Etwas
mehr Spannung versprechen hingegen die Leitzinserwartungen des US-Zentralbankrats, denn an den Märkten wird
weiterhin eher mit weiteren Zinssenkungen gerechnet. In Europa richten sich die Blicke auf Frankfurt: Bei ihrer ersten
Ratssitzung der EZB mit Christine Lagarde als Präsidentin dürfte sich das Gremium um Kontinuität bemühen. Die
Aussagen zu den zukünftigen Leitzinsen und Wertpapierkäufen sollten unverändert bleiben. Highlight aus britischer
Sicht sind die vorgezogenen Neuwahlen am Donnerstag.

 

 

 

Die Kolumne als Podcast

Hier können Sie sich die aktuelle Kolumne auch als Podcast anhören.

Ausblick 2020:
Stabiler als erwartet

Der Ifo-Geschäftsklima-Index verzeichnete im November wieder eine leichte Aufwärtstendenz und auch das Bruttoinlandsprodukt
des dritten Quartals 2019 verdeutlichte, dass Deutschland nicht in die Rezession gerutscht ist. Einen Ausblick in das kommende Jahr
wagen die Volkswirte der Deka, dem Wertpapierhaus der Sparkassen.

Für 2020 rechnet die DekaBank mit einer Stabilisierung der Weltkonjunktur bei einem Wachstum von
3,1 Prozent. Viele Unternehmen müssten ihre Lager wieder auffüllen und damit neue Aufträge erteilen.
Zudem würden die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China vorerst nicht eskalieren, da sich
die US-Administration im Wahljahr auf innenpolitische Themen konzentrieren werde. „Es besteht weiterhin
ein erhebliches handelspolitisches Risiko für die Weltkonjunktur, denn die Auseinandersetzung der neuen
Rivalen USA und China um die globale Dominanz hat erst begonnen,“ weiß Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt
der Deka. Die USA befänden sich weiter in einem Wirtschaftssuperzyklus, der im Jahr 2020 eine Wachstums-
rate von 1,8 Prozent hervorbringen werde. Der boomende Arbeitsmarkt und moderate Lohnsteigerungen
trieben die starke Binnenkonjunktur weiter an. Obwohl der Handelskonflikt in China stärker als erwartet
eskaliert sei, dürfe die Regierung von neuen Konjunkturprogrammen absehen und eine weitere Wachstums-
verlangsamung (unter 6 Prozent) akzeptieren, um ein Defizit und damit eine wachsende Abhängigkeit von
Auslandskapital zu verhindern. „Trotz aller Probleme bleibt Asien der Motor der Weltwirtschaft. Die Einigung
auf die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt zeigt, dass die Länder der Region immer stärker
die Chancen des intraregionalen Handels ergreifen wollen und auch werden“, sagt Kater. 

 „Reformen anstoßen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu retten“

Abnehmende Konjunktur in China, die zunehmende Bedeutung der Schwellenländer und der Aufschwung des
Dienstleistungssektors seien die Ursachen dafür, dass die deutsche Industrie kein Wachstumsgarant mehr ist.
Allein die Binnenwirtschaft habe Deutschland 2019 vor einer Rezession bewahrt und werde es auch 2020 tun.
Von privatem Konsum, Staatsausgaben und Bauwirtschaft seien in den kommenden Quartalen noch weitere
Impulse zu erwarten. Die Deka rechnet mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. „Die Folgen der strukturellen
Umwälzungen der globalen Wirtschaft, dynamisiert durch den neuerlichen Protektionismus, lasten schwer
auf der industriegetriebenen Exportnation Deutschland“, attestiert Kater. „Die Politik muss schnellstmöglich
Reformen anstoßen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand zu retten.“
 

Kapitalmarkt – gemäßigte, aber solide Renditeerwartungen

Die Kehrtwende der Notenbanken und die Hoffnung auf Beilegung des Handelsstreits haben die Kurse 2019
weit nach oben getragen. „Die Performancetreiber dieses Jahres haben ihre Kraft verloren. Erfolgsfaktor für
2020 wird eine solide, schwankungsfreie Realwirtschaft, die insbesondere Aktien begünstigt“, sagt Joachim
Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte & Strategie bei der DekaBank. In der jetzt aufziehenden Dekade im
Niedrigzinsmodus würden Wertpapiere zum Vermögensaufbau immer unverzichtbarer – wenn auch die Renditen
niedriger ausfallen würden als in den letzten Jahrzehnten. Man dürfe sich durch scheinbar niedrige Ertrags-
perspektiven bei Aktien von 5 Prozent pro Jahr nicht täuschen lassen. „Angesichts niedriger Inflationsraten
entspricht die reale Aktienentwicklung dem langfristigen Aufwärtstrend“, betont Schallmayer. Für den Aufbau
von Vermögen sei jedoch der Zinseszinseffekt wesentlich, der bei Bankeinlagen nicht mehr gegeben sei. Die
Sparer müssten daher ihre Spargewohnheiten ändern: „Nichtstun wird teuer in den 2020er Jahren“, so
Schallmayer.

Aktien aus Europa, Deutschland und den Schwellenländern hätten Potential, weil gerade diese Märkte anhaltende
Zuflüsse und Bewegungen hin zu zyklischen und unterbewerteten Aktien beflügeln sollten. „In Europa und den
Schwellenländern ist die Ausgangsbasis der Bewertungen besser und hier wird die marginale Verbesserung der
Rahmenbedingungen am ehesten positiv zu spüren sein“, sagt Schallmayer. In den USA gäbe es im kommenden
Jahr mit den Präsidentschaftswahlen einen Sondereinfluss. Obwohl ein Radikalumbau der US-Wirtschaft selbst
mit einem Sieg der derzeit in Umfragen führenden Demokraten nicht zu erwarten sei, dürften im Jahr 2020 Einflüsse
des Wahlkampfs auf die Kapitalmärkte, insbesondere auf die Aktienkurse verschiedener Sektoren, an der Tagesordnung sein.

 

 

 

Dr. Ulrich Kater

Chefvolkswirt der DekaBank 

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